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  Gemeinde - Kurzchronik
Aus dem Flyer zur 700-Jahr Feier 1992

 Pömmelte liegt südlich der Landeshauptstadt Magdeburg an der Straße von Schönebeck nach Barby und zwar 7 km von Schönebeck, 5 km von Barby sowie 2 km von der Elbe entfernt. Wer also mit der Fähre bei Barby die Elbe zur Weiterfahrt nach Zerbst­Dessau überquert und aus der Nordrichtung kommt, durchfährt Pömmelte. Sehenswürdigkeiten der benachbarten alten Residenzstadt Barby laden zu einem Besuch ein. In der Pömmelter Gaststätte " Zur Eiche" kann man dann bei schmackhaftem Essen und gepflegten Getränken pausieren.

In den Sommermonaten wird auch gern die Bademöglichkeit im erfrischenden Wasser des sich noch erweiternden Kieswerksees wahrgenommen. Städter aus Magdeburg und Schönebeck erholen sich in ihren Wochenendhäuschen der zahlreichen Gärten in südlicher und westlicher Richtung um Pömmelte. - Somit ist auch Pömmelte einen Aufenthalt oder eine Reise wert!

Zufällig gefundene Reste von Gerätschaften beweisen eine frühe menschliche Anwesenheit in unserer Gegend.

Vermutlich entstand Pömmelte neben mehreren anderen Orten der näheren Umgebung durch Besiedlung eingewanderter Sorben aus dem Stamm der Slawen. Diese errichteten ihre Behausungen auf Erhöhungen im hiesigen Überschwemmungsgebiet der damals nicht regulierten Elbe. An viele dieser Ansiedlungen erinnern nur noch Flurbezeichnungen, wie Potlene, Besen, Schwölitz, Prebitz, Menz, Dierhagen u.a. Einwohner von Menz und Dierhagen gaben den Kampf gegen das Hochwasser auf, zogen in die eroberten Ostgebiete. Und so ist es nicht zufällig, dass es heute bei Rheinsberg nördlich von Berlin noch zwei benachbarte Orte gleichen Namens gibt.

Das regelmäßig wiederkehrende Hochwasser hinterließ nach seinem Abfluss zunächst schlammige, dann fruchtbare Flächen, die landwirtschaftlich genutzt und im Laufe der Zeit durch Dämme sowie Anlage von Gräben geschützt wurden. Diese Bodenbeschaffenheit ist sehr wahrscheinlich bestimmend für die Entstehung unseres Ortsnamens aus den slawischen Wörtern »po« = bei und »mol« = Morast gewesen, ähnlich wie dies beim Nachbarort Glinde, »glin« = Lehm, auf Lehmvorkommen hindeutet. Es gibt weitere nicht wissenschaftlich zu begründende Mutmaßungen zur Entstehung des Ortsnamens.

 Die erste urkundliche Erwähnung Pömmeltes erfolgte 1292 in einer Schenkungsurkunde in der Schreibweise » Palmelt «. ( Der Magdeburger Bürger Johannes schenkt dem Altar des heiligen Secundus im Dome zu Magdeburg eine Hufe Eigengut des Dorfes Palmelt).

Die Einwohner lebten vom Ackerbau und der Viehzucht, wobei die hiesige Bodenqualität keinesfalls mit dem wenige Kilometer weiter westlich beginnenden Bördeboden ähnlich ist, so dass nur Roggen und Hafer angebaut werden konnten. Auch das Grasland war infolge des hohen Grundwasserstandes größtenteils versauert und brachte minderwertiges Futter.

Das Dorf gehörte zur Grafschaft Barby.

In statistischen Angaben von 1820 werden für Pömmelte 76 Wohnungen, 365 Einwohner, eine Kirche, zwei Krüge, eine Windmühle und 1920 Morgen Acker (größtenteils der Überschwemmung ausgesetzt) genannt.

In alten Kirchenbüchern des Ortes findet man verschiedentliche Eintragungen über witterungsbedingte Missernten infolge großer Trockenheit oder vielfach über die Ufer getretene Wassermassen der Elbe. Besonders die nach der Schneeschmelze am 23. Februar 1876 durch Dammbruch verurschachte Wasserkatastrophe ist immer noch in Erinnerung. An einer Mauer in Glinde sowie an einem Haus in der Schönebecker Worth wurde der höchste Wasserstand des Unglücksjahres gekennzeichnet. Epedemien und Kriegszeiten hinterließen ebenso tiefe Spuren, so das Pestjahr 1626 mit 127 Todesfällen. Pastor Carus hinterließ ausführliche Aufzeichnungen über die Jahre 1806 bis 1816, einschließlich der napoleonischen Besatzungszeit mit ihren Drangsalen für die Einwohner.

Zum Kirchspiel Pömmelte zählte bis 1845 das zur Grafschaft Barby gehörende Felgeleben. Auf einem Dienstweg dorthin kam am 12. Nov. 1829 Pastor Carus vermutlich bei Nebel und Dunkelheit vom Weg ab und ertrank in einem der tiefen Überschwemmungslöcher. Sein Nachfolger wurde Leberecht Uhlich, der Gründer der freireligiösen Gemeinden. Seine Anhänger waren über ganz Deutschland verbreitet. Auf deren Drängen ging er 1845 nach Magdeburg, da er von dort einen größeren Wirkungskreis hatte. Zur Zeit der bürgerlichen Revolution 1848 war Uhlich Mitglied des Frankfurter Parlaments. Er wurde Ehrenbürger der Stadt Magdeburg, wo er 1872 verstarb. Seine Anhänger gab es noch bis in das 20. Jahrhundert hinein.

Die Pömmelter Kirche wurde im Jahre 1871 ohne Einverständnis der Bauern gebaut. Diese wollten die Renovierung der alten baufälligen Kirche und entzweiten sich deswegen mit ihrem derzeitigen Pastor Grühl. Als bekannt wurde, dass der Kirchenbau vorwiegend mit Staatsgeldern erfolgte, kam es bei der Einwei­hung zur Versöhnung zwischen dem Pfarrer und seiner Gemeinde.

Von der alten Kirche vorhanden sind noch ein sechseckiger Taufstein aus dem Jahr 1695 mit kunstvoller barocker Verzierung, sowie eine im Vorraum der Kirche hängende Steinplatte mit einem Bibelspruch.

Rechts neben der Kirche befand sich ein Obelisk zu Ehren der Gefallenen des deutsch­französischen Krieges 1870/71. Er wurde nach dem 2. Weltkrieg zerstört, da in dieser Zeit nichts mehr an den Krieg erinnern sollte. Tafeln mit den 39 Namen der gefallenen Pömmelter des 1. Weltkrieges von der 1922 eingeweihten Denkmalsanlage hinter der Kirche brachte 1945 der Pfarrer Bruchmüller in die Kirche und somit in Sicherheit. In den 50er Jahren gab es auch von der damaligen Gemeindeverwaltung unterstützte Bestrebungen zur Restaurierung des Ehrenmals. Durch einen verwaltungsbedingten Formfehler kam es leider nicht dazu. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte wurde die noch vorhandene Bruchsteinmauer mehr und mehr demoliert.

Mit der demokratischen Wende steht die Wiedererrichtung des Denkmals erstmals wieder auf der Tagesordnung. Es soll dann auch der ca. 90 Pömmelter Gefallenen des 2. Weltkrieges gedacht werden.

 Mitte des 19. Jahrhunderts fand man westlich von Pömmelte Braunkohle.

Nach der Errichtung des ersten Schachtes in den 90er Jahren veränderte sich die Struktur des Dorfes wesentlich. In kurzer Zeit verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf 1100. Um die Jahrhundertwende entstanden am Ortsausgang nach Barby Wohnungen für die Bergarbeiter, die sogenannten Schachthäuser. Der Abtransport der Kohle erfolgte durch Bahnanschluss zur Hauptstrecke Magdeburg-Halle. Auch in der Wachsfabrik wurde die geförderte Kohle verarbeitet.

 1924 wurde die Arbeit in der Grube "Neue Hoffnung" eingestellt. Pömmelte wurde zunächst das Dorf der vielen Arbeitslosen, bis dann mehrere Beschäftigung in den damals bei Barby entstandenen "Maizena Werken" fanden.

 Nach einer schönen buntbestickten Fahne des Gesangsvereins Pömmelte mit der Jahreszahl 1873 muss es bereits um diese Zeit im Dorf ein musikalisch-kulturelles Leben gegeben haben, wie außerdem weitere Vereine die Geselligkeit förderten. So wurde in den 90er Jahren der Männerturnverein gegründet. Die Weihe der Turnerfahne im Jahre 1900 war ein großes Fest, von dem in der Ortschronik noch Fotos existieren. Neben dem bürgerlichen Radfahrverein "Wanderlust" gab es von 1907 an den Arbeiter-Radfahrverein dessen in der Hitlerzeit gesuchte Fahne versteckt und somit gerettet wurde. Auch außer dem alten bürgerlichen Gesangsverein "Concordia" hatten die Bergarbeiter ihren Verein "Maiengruß". In der NS-Zeit wurden alle Vereine gleichgeschaltet. Nach dem 2. Weltkrieg wurden in den 50er Jahren wieder Sportler aktiv, auch ein Chor wurde gegründet. Die moderne Art der Zerstreuung, wie Fernsehen und Motorisierung, verdrängte aber nun alte im Ort traditionsreiche Freizeitbeschäftigungen nach und nach. Sie wurden eingestellt.

Erfreulicherweise besteht der 1956 gegründete Anglerverein weiterhin. Seine Mitglieder bauten 1977 bis 1979 mit Hilfe des örtlichen Landwirtschaftsbetriebes " Schweinemast" in der Gnadauer Straße das Mehrzweckgebäude "Goldfisch". Eine schöne Außenanlage umfaßt die Vorderseite und somit entstand ein neues kulturelles Zentrum im Dorf.

Höhepunkte in den 70er Jahren waren im Winterhalbjahr veranstaltete Faschingsfeiern. Sie entstanden aus der alljährlichen Festsitzung der Gemeindevertreter. Leider wurden sie nach 5 Jahren nicht wiederholt. Hierbei zeigten sich Talente, die in zahlreichen mit großem Beifall aufgenommenen Büttenreden das Dorfgeschehen charakterisieren. Die gesammelten Beiträge bilden eine Chronik der besonderen Art.

 Ein Fest mit alter Tradition ist das alljährliche Ringreiten, das 1957 mit großem Festumzug zum 100. Male begangen wurde. Auch hierüber gibt es eine Bildermappe. In den 70er Jahren war dies meist mit mehrtägigen Dorffestspielen verbunden. Erfreulicherweise fand diese Tradition nach der Vereinigung Deutschlands ihre Fortsetzung und so wurde 1991 auf dem Festplatz ein geräumiges Tanzzelt aufgestellt. Unterhaltung vielfältiger Art gab es während des mehrtägigen Festes.

1992 begehen wir als Jubiläum die vor 700 Jahren erfolgte Nennung unseres Ortsnamens. Wir sehen vertrauensvoll in die Zukunft. Pömmelte wird sich wirtschaftlich und kulturell weiterentwickeln, weil wir uns auch in diesem kleinen Ort als Mitglied in der sich ausprägenden europäischen Völkerfamilie verstehen.

 

Schenkungsuhrkunde
Übersetzung der Schenkungsurkunde aus dem Lateinischen nach einem Archiv-Übersetzungsbuch:
13. August 1292
Erich Erzbischof von Magdeburg bestätigt verschiedene Dotierungen (Schenkungen), welche von dem Erzbischof Konrad gestifteten Altar des heiligen Secundus in der Domkirche zu Magdeburg gemacht worden, indem er selbst drei Talente Magdeburger denanorium (Pfennige) aus dem Zehnten von Olvenstedt, dem Erzbischof Conrad ganz dem Erzstift zugewendet, dazu widmet. Er bestätige die Dotation (Schenkung) des Altars mit 2 Wispeln1 Roggen von 2 Hufen2 in Mosane Seitens des verstorbenen Domdechanten Magisters Walther von Meißen, sodann die Einkommensverbesserung des Altarpriesters und zugleich Vicarius perpetuus beim Dome durch die Magdeburger Bürger Johannes Reynoldi, der zu seinem, Johanns und seiner Ehefrau, Seelenheile 2 Wispel1 Roggen aus dem Zehnten von Wantsleue (Klein-Wanzleben), früher zur Kirche in Jerichow gehörig, ferner 1 Mark Silber von 4 Hufen2 bei Vrose (Frohse) auf dem sogenannten Wal gelegen, sodann eine Mark von 11/2 Hufen2 in Klein-Ottersleben, eine Mark von 2 Hufen2 in Rottersdorf, ferner eine Hufe2 in Palmelt (Pömmelte), von der jährlich 14 Scheffel3 Roggen, 8 Scheffel3 Weizen, 6 Scheffel3 Gerste, 6 Scheffel3 Hafer und 2 solidi denarium (Schillinge Pfennige) gefallen, endlich noch 10 Schillinge Pfennige gegeben habe, die vom Vorsteher der Schustergilde in Magdeburg zu entrichten seien.
Actum et Datum in Capitulo indicto Anno domini M° CC° XCII° Idus Augusti